Kratz nicht, sonst wird’s nur schlimmer!

Kratz nicht, sonst wird’s nur schlimmer!

Die in Kroatien und Montenegro vorherrschende Wetterlage hat uns nun doch, schneller als geplant, direkt nach Albanien getrieben. Im Lake Shkodra Resort, direkt am Shkoder See gelegen, genießen wir die Zeit und bleiben erstmal zwei Tage zum entspannen. Wir tun nichts Nennenswertes, gehen jeden Abend schön essen und die Hunde schimmeln auf der Wiese vor sich hin. Am dritten Tag in Albanien entflammt in uns der Wunsch nach etwas mehr Aktivität. Wir wollen ans Meer und unser Ziel für heute sind die Lagunen von Vain und Tala, ein Mündungsdelta des Drin in die Adria. Bei dem Gebiet handelt es sich um ein von Sümpfen und Brackwassergebieten geprägtes, geschütztes Naturreservat. In der Lagune von Vain finden wir einen Strand, an dem außer uns nur ein paar einheimische Angler sind. Wir richten uns häuslich ein und freuen uns über unseren Standplatz, direkt am Strand und doch allein. Von dem, von uns auserkohrenen Platz sind es zwanzig Meter zum Meer in die eine Richtung und zwanzig Meter zum Süßwasser in die andere Richtung. Wir genießen die Sonne, spielen mit den Hunden am Strand und werfen den Grill an.

Bis Sonnenuntergang finden wir unseren Standplatz mal so richtig großartig. Doch kaum ist die Sonne, wie im Bilderbuch, strahlend orange, ins Meer geplumpst sind sie da. In Scharen fallen sie über uns her. Sie wollen unser Blut und wir sind weit und breit die einzigen Opfer.

Hätten wir uns ja eigentlich denken können, rings um uns Sumpf – und Brackwassergebiet, klar das es da Mücken ohne Ende gibt, manchmal hilft auch einfach mal nachdenken. Wir lassen alles stehen und liegen, bei der Invasion hätte eine Zitronellakerze eh nichts mehr gebracht, und fliehen mit den Hundemädels ins Auto. Aber auch hier gibt es wohl undichte Stellen an Fenstern und Mückengaze und das öffnen der Tür hat leider nicht nur uns, sondern auch hunderte der Plagegeister reingelassen. Aus Mangel an Insektenspray sprühen wir alles im Auto mit Antibrumm ein, bis im Raum eine dicke Wolke von dem stinkenden Zeugs hängt, so dass ich Angst bekomme, dass die Hunde einen Schaden davontragen könnten. Wir hören erstmal auf mit der Stinkerei und begutachten die Opferzahl. Wohlwollend stellen wir fest, dass wir ein ziemliches Massaker angerichtet haben und nur ein paar ganz hart gesottene Blutsauger den Anschlag überlebt haben. So kommen wir klar. Die ein oder andere Mücke fällt noch einem beherzten Schlag zum Opfer, zufrieden gönnen wir uns erstmal eine Mischung, Cola mit Rum geht (in Solchen und zahllosen anderen Situationen) zum Glück immer. Als wir uns noch vom überstandenen Unheil erholen, hören wir in der Ferne schon das nächste Unheil aufziehen. Über Kap Rhodon, südlich von uns, zieht ein heftiges Gewitter auf, es ist im Moment noch recht fern und wir hoffen, dass es so bleibt. Unsere diesbezügliche Hoffnung zerschlägt sich wenig später und wir sitzen mitten drin. Ein Gewitter mit gewaltigen Blitzen, unmittelbar gefolgt von Donnergrollen töst mit Starkregen über uns hinweg. Diesem Regen ist unser Aufstelldach nicht gewachsen und durch Reißverschluss und Nähte dringt Wasser ein. Wir versuchen schnellstmöglich unser Dach zu zu bekommen, damit wir drinnen nicht komplett nass werden. Durch den starken Wind ist das nicht so ganz einfach und wir haben ganz schön zu kämpfen bis wir das Dach runter und fest verschlossen haben. Auf diesen Schreck erstmal noch ne Mischung.
Der Starkregen lässt zum Glück bald nach, die Gewitter tummeln sich noch ein paar Stunden rings um uns herum. In alle Himmelsrichtungen blitzt es fast die halbe Nacht und wir bekommen kaum ein Auge zu. Toller Standplatz! Super Idee!
Am nächsten morgen ist der ganze Spuk vorbei. Wir frühstücken noch und dann sehen wir zu, dass wir uns vom Acker machen. Im Laufe des Tages stellen wir fest, dass die kleinen Blutsauger trotz, des von uns angerichteten Massakers, noch genügend Zeit hatten uns anzuzapfen. Wir sind komplett zerstochen und es juckt unsäglich. Ein schlauer Henning hat in einer ähnlichen Situation mal zu mir gesagt: “Kratz nicht, sonst wird’s nur schlimmer”, also erinnere ich ihn an seine eigenen, weisen Worte, während er sich genüsslich die Beine aufkratzt. Er murmelt etwas, was sich wie “Klugscheißer” anhört und kratzt einfach weiter. Im Laufe des Tages hauen wir uns seinen saublöden Spruch, noch mehrfach um die Ohren, um uns dann beide nicht dran zu halten.
Auf dem Campingplatz bei Denis, in der Bucht von Livadh, lecken bzw. kratzen wir nun unsere Wunden und melden uns wieder, wenn es nicht mehr juckt.


5 Gedanken zu „Kratz nicht, sonst wird’s nur schlimmer!

  1. Hallo ihr seid ihr schon beim denis? Bin noch in GR und werde vermutlich erst anfang / mitte juni aufkreuzen. Seid ihr dann noch da? Lg Max mit Bart

    1. Ach naja, hat sich so ergeben :-). Das nicht ganz so tolle Wetter hat uns schneller hier runter getrieben als geplant und nun sitzen wir die „Regenzeit“ hier bei Denis aus. Bei Wein und Raki lässt sich auch das ein oder andere Gewitter gut aushalten. Wir fahren in ein paar Tagen nochmal weg und werden aber auf jeden Fall ab Mitte Juni nochmal da sein. Wir sehen uns sicher. Viel Spaß in GR

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